Donnerstag, 11. Juni 2015

Trondhjæm- Das Herz von Norwegen

Bunte Holzhäuser, mittelalterliche Festungen, Fahrräder, Touristen, Unmengen Studenten und Wasser, wohin man schaut- Trondheim ist nicht nur eine der ältesten, sondern auch eine der schönsten und fröhlichsten Städte Norwegens. 
Mit fast 200.000 Einwohnern ist Trondheim die 3. grösste Stadt Norwegens, und wird auch "das Herz von Norwegen" genannt. 



Die Trondheimsrose- das Zeichen von Trondheim




Geschichte

Gegründet wurde Trondheim im Jahr 997 von Olav Tryggvason. Bis ins 13. Jahrhundert hinein war die Stadt Königsresidenz und Hauptstadt des Landes. In 1152 wurde der neu gebaute Nidarosdom zum Sitz des Erzbischofs, und in diesem Jahr wurde auch die erste Schule (die Katedralskole=die auf die ich hier gehe) des Landes eröffnet. Die Stadt wuchs schnell und entwickelte sich zu einem leitenden Handelszentrum für die Umgebung, und diese Rolle hat die Stadt auch heute noch. 1681 wurde die gesamte Altstadt zerstört und nach dem Vorbild Versailles wieder aufgebaut.
Im Laufe der Geschichte trug Trondheim mehrere Namen: Nidaros, welcher auf den Fluss "Nidelv", dessen Mündung in Trondheim liegt, zurückgeht. Während der dänisches Herrschaft wurde der Name der Stadt in "Trondhjem" umgeschrieben; in 1930 erhielt sie ihren jetzigen Namen "Trondheim". Die meisten Einwohner nennen ihre Stadt aber weiterhin Trondhjem/Trondhjæm.

Alltag in Trondheim

Wenn ich morgens auf dem schönsten Schulweg in Richtung Schule spaziere, begegene ich IMMER Leuten die joggen, Leuten die Fahrradfahren, Leuten die spazieren gehen. Egal zu welcher Uhrzeit und egal bei welchem Wetter sind immer Leute draussen die joggen. Natürlich ist jetzt, wo es nurnoch 2 Stunden dunkel ist, mehr draussen los, als im Winter, wo es nur 5 Stunden hell war, aber die Stadt ist immer in Bewegung.
Anders als in einer deutschen Grossstadt gibt es hier keine Strassenbahn im Zentrum, nur ein paar Bushaltestellen und Buslinien, die regelmässig fahren. Das Stadtzentrum ist aber auch nicht gross, sondern ist gut und einfach in einer viertel Stunde zu durchqueren, was die Stadt so gemütlich macht. Durch den Fluss Nidelva (Nid- elva) und den Fjord wird das Stadtzentrum eingegrenzt und über Brücken kann man zu den anderen Stadtteilen gelangen.



Wenn man durch die Innenstadt geht, sieht man an jeder Ecke Leute die um Geld betteln, Strassenmusiker, oder Zeitungsverkäufer und man wird ständig von Leuten um Geld, und von wohltätigen Organisationen um Spenden gebeten.
Der Alltag in Trondheim ist unter der Woche komplett anders als am Wochenende. Unter der Woche sind zwar viele Menschen unterwegs, aber lange nicht so viele wie am Wochenende. Am Wochenende sind vorallem die Cafes voll mit Leuten, und bei gutem Wetter sitzen überall Leute in der Sonne.


Trondheim ist eine sehr gemütliche Stadt, an vielen Orten schön, an einigen hässlich, immer in Bewegung, aber trotzdem ruhig.
Aber ich bekomme Trondheim auch auf eine andere Weise mit als manche andere Austauschschüler hier, weil ich im Zentrum in einem sehr schönen Stadtteil wohne, während andere auch mehr ausserhalb in den Umgebungen ohne Touristen, und dem entsprechend auch weniger gepflegten Umkreisen wohnen.
Ich bin nicht sehr oft ausserhalb vom Zentrum, weil es hier alles gibt was man braucht, aber es gibt einige Stadtteile, die wirklich nicht so schön sind.


Sehenswürdigkeiten

Nidarosdomen

Die wichtigste Sehenswürdigkeit hier ist natürlich der Nidarosdon- das Heiligtum von Norwegen. dessen Bau im Jahr 1070 auf dem Grab des heiligen Olavs begann. Nachdem der Nidarosdom zum Sitz des Erzbischofs wurde, wurde der Zwang immer grösser, den Dom herrschaftlich auszubauen. Man nimmt an, dass die Kirche um 1300 in ihrer ganzen Pracht stand. Bereits in 1328 brannte die Kirche das erste mal, und nochmal in 1432 und 1531. Im Jahr 1689 wurde die Kirche stark bei einem Unwetter geschädigt, in 1708 und 1719 beschädigten erneuete Brände den Dom. Lange lag das Kirchenschiff nun in Ruinen und Restaurierungsarbeiten begonnen erst in 1869. Seitdem wird die Kirche stetig restauriert- auch heute noch.



Das berühmte Rosenfenster in der Mitte der Westfront




Bakklandet und die alte Stadtbrücke

Ein Stadtteil mit alten, kleinen und farbenfrohen Holzhäusern, und den bryggene- grosse Holzhäuser am Fluss, an denen früher gehandelt wurde. Die alte Stadtbrücke führte über den Fluss zum Nidarosdom und ist auch heute noch- dank viele Restaurationen- gut in Stand. Im Bakklandet gibt es hauptsächlich Cafes und kleine Geschäfte, ausserdem den einzigen Fahrradlift der Welt!






Kristiansten festningen (Kristiansten Festung)

Die Festung wurde nach dem grossen Stadtbrand in 1681 gebaut und wurde in 1684 fertiggestellt. Sie diente als Aussichtspunkt und Schutz der Stadt, die grossen Kanonen stehen immer noch. Manchmal werden die Kanonen sogar benutzt, bis jetzt habe ich das erst einmal am 7. Juni mitbekommen- dem Tag, an dem die Union aus Norwegen und Schweden aufgelöst wurde. In 1718 hat Kristiansten die Stadt vor Schwedischer Eroberung geschützt. Im zweiten Weltkrieg haben die Deutschen die Festung als Richtplatz benutzt, weswegen dort heute Gedenktafeln an die hingerichteten Norwegischen Patrioten stehen.
Von der Festung hat man eine fantastische Aussicht über Trondheim, den Fjord, Munkholmen und die Umgebung, geöffnet ist das Gelände immer solange die grosse Fahne gehisst ist.
Durch das kleine Restaurant dort, wird Festningen oft als Platz für Feiern genutzt, und der Park um Festningen dient als Platz für Sport, Picknicks und Freizeit.




Munkholmen (Mönchs- Inselchen)

Munkholmen ist eine kleine Insel im Trondheimsfjord etwa zwei Kilometer ausserhalb der Stadt. Im Sommer ist sie ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden, weswegen es eine regelmässige Bootsverbindung gibt. Munkholmen hat eine alte Geschichte und steht unter Denkmalschutz. Vor dem 12. Jahrhundert diente die Insel als Hinrichtungsstätte. Von 1100 bis 1537 stand auf der Insel ein Kloster, welches aber in der Reformation verfiel. 1660-1850 diente die Insel als Festung, aber gleichzeitig auch als Staatsgefängnis. Danach als Seefestung und Luftverteidigungsanlage der Deutschen im zweiten Weltkrieg.
Heute dient die Insel als Ausflugsziel, und hat den schönsten Badestrand in Trondheims Umgebung.



natürlich gibt es noch mehr, aber diese sind die Bekanntesten ;)




Geschäfte

Die Geschäfte im Zentrum sind meistens so bis 6 geöffnet, während Lebensmittelgeschäfte oft auch bis 23 Uhr geöffnet sind. Die Einkaufszentren, von denen es 2 im Zentrum gibt, sind immer bis 20 Uhr geöffnet.
Norweger bezahlen fast alles mit Karte- ganz egal, wie viel der Einkauf gekostet hat. Es gibt sogar in der Stadt Getränkeautomaten, an denen man nur mit Karte, oder übers Handy bezahlen kann. Übers Handy regeln die Norweger ungefähr alles. Wenn man in einem Laden etwas bestellt, wir einem eine SMS geschickt, wenn es angekommen ist, wenn man einen Friseurtermin hat, wird man per SMS dran erinnert, über verschiedene Apps kann man Einkäufe bezahlen, was dann von der Telefonrechnung abgerechnet wird. Auch Bustickets und Eintrittskarten (zB fürs Kino) haben viele auf dem Handy, weil sie es dann über die Kino-, oder Bus-app kaufen.

Tourismus

Jetzt wo hier ja anscheinend Sommer ist, kommt jeden Tag das Hurtigrutenschiff mit einer Ladung Touristen an, die dann in Grüppchen durch die Stadt strömen. Vorallem vor dem Nidarosdom sind (bei gutem Wetter) viele Touristen unterwegs, die dann in einem Reisebus nach dem andern ankommen. Jedoch sind auch sehr viele norwegische Touristen unterwegs, was mich ziemlich wundert, da fast jeder Norweger schonmal hier war. Deutsche Touristen treffe ich zwar auch manchmal, aber nicht so viele wie ich erwartet hatte.

Allerdings wohnen in Trondheim sehr viele Leute aus anderen Ländern, auf meiner Schule zum Beispiel gibt es eine Englisch- Linie (wo die Schüler alle Fächer auf Englisch haben), und mit ein paar dort bin ich befreundet; eine Deutsche, eine Portugiesin, eine aus Israel, eine aus Nepal, eine aus den USA, deren Familien hier zum arbeiten hergezogen sind. Und natürlich gibt es noch viele mehr. In der Stadtbücherei gibt es Bücher in bestimmt 25 verschiedenen Sprachen, es gibt eine komplett englisch- sprachige Grundschule; und eine, auf der die Kinder Norwegisch lernen. Auch auf der Grundschule von Berit und Isak gibt es sehr verschiedene Nationalitäten, die besten Freunde von Berit zum Beispiel sind aus Afghanistan, Deutschland und Äthiopien (oder so ;) ).


Schule

per ardua ad astra  


Übers Norwegische Schulsystem habe ich ja schonmal geschrieben gehabt, aber ich wollte mal ein bisschen darüber erzählen, wie meine Schule so ist und so ;)
Ich gehe auf "Trondheim Katedralskolen", von jedem "Katta" gennant- die älteste Schule in Norwegen, mit dem Gründungsjahr 1152. Der Leitspruch der Schule ist "per ardua ad astra" was (glaub ich) soviel heisst wie "durch Arbeit zu den Sternen".
Auf der Schule gibt es fünf verschiedene Programme/Linien
- Studiespes(ialisering): die normale Linie, bei der aufs Studium vorbereitet wird
- M(usikk), D(ans), D(rama): Musik, Tanz, Theater; die Schüler haben normalen Unterricht, mit Schwerpunkt auf den genannten Fächern
- M(edia), K(ommunikasjon): Medien, Kommunikation: ich weiss nicht so ganz was das ist, aber das gibt es auf jeden Fall :D
- I(nternational), B(accalaureate): Das Englisch-sprachige Programm, das es auf der ganzen Welt zu finden gibt
- internasjonal linja: Die Internationale Linie, in der die Schüler das erste und dritte Jahr hier machen, und das zweite in einer Partnerschule in Nordengland.

Die Schule hat eine sehr engagierten Schülervertretung, welche hier sehr viel zu sagen hat, und weswegen die Schule sehr gut an das Alter und die Interessen der Schüler angepasst ist.
Ausserdem bietet die Schule viele AG's, Gruppen und Aktivitäten an (zB ein EU- Rollenspiel über eine Woche; die Amnesty Gruppe der Schule, Schulchor etc.).
In der Kantine gibt es Wasserkocher, Sandwichmaschinen, Mikrowellen und Toaster für die Schüler, die einfach benutzt werden dürfen, und in den Fluren gibt es Tische, damit die Schüler sich dort aufhalten können.
In den Pausen darf man hingehen wo man will, sowas wie Regenpause gibt es nicht ;)
Die Fenster haben extra breite Fensterbänke, um Platz zum Sitzen zu geben, und auch die Schulbücherei bietet viel Platz für die Schüler.
Hier gibt es einfach nicht so viele Regeln und Richtlinien für die Schüler, Lehrer und Schüler respektieren sich gegenseitig, aber sind dennoch fast gleichgestellt. Ich kann das nicht so genau beschrieben, aber hier ist alles so viel freundschaftlicher, und ich geh wirklich gerne zur Schule :)



Natur

Die Natur in Trondheim und um Trondheim herum ist sehr vielfältig. Es gibt natürlich den Trondheimsfjord, dann die Bymarka- einer der grössten Wälder Norwegens, Berge, und ein bisschen ausserhalb Felder und Wiesen.
Die Bymarka (übersetzt Stadtwald) ist ein riesiges Waldgebiet mit 6 Touristenhütten, Sportgelegenheiten (?:D) wie zum Beispiel eine lange Strecke für Rollski, eine Skisprunganlage, Wanderwege und sogar einen kleinen Alpinskihügel. Die Bymarka ist im Westen von Trondheim, im Südosten ist ein anderer Wald. Im Nordosten von der Stadt ist Lade, ein Stadtteil, und mit einer Art Badestrand und dorthin führender Wanderweg.
Fährt man aus der Stadt raus, kommt man in eine Umgebung mit vielen Bauernhöfen, Feldern und Wiesen, auch kleine Badestrände, Flüsse und Seen sind hier zu finden.
Generell gibt es hier keine hohen Berge, aber das Gelände ist definitiv bergig ;)

Wetter

Ja, das mit dem Wetter ist so eine Sache hier..
Der Temperaturenhöhepunkt in Mai und Anfang Juni war 15 grad, der Tiefpunkt 0,2 grad. Es regnet und regnet und regnet und der Sommer will einfach nicht kommen.. Alle sagen auch hier, dass ich echt Pech habe, und es normalerweise nicht sooo schlecht ist ;)
Allerdings kann es auch passieren, dass das Wetter von dem einen auf den anderen Tag gut wird, man weiss hier nicht. Der Wetterbericht stimmt nie, und wechselt von Stunde zu Stunde komplett. Zum Beispiel war es im April ein paar Tage sehr schön, plötzlich kam dann wieder Regen und Hagel..
Aber die Leute sind hier eingestellt auf alles, und vorallem jetzt in dieser Regenzeit laufen viele Leute mit solchen Regencapes (diese Plastiksäcke, die man über den Kopf zieht) rum.


Lieber Papa, dieser Eintrag ist für dich :) 

Jetzt sind es noch 17 Tage bis es für mich los nach Berlin geht und ich weiss, dass mir Trondheim so sehr fehlen wird! Aber ich werde zurück kommen, ganz sicher!!

Alles Liebe,
Eure Sabine


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