Freitag, 22. Mai 2015

GRATULERE MED DAGEN NORGE!

ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG NORWEGEN!

Am Sonntag durfte ich einen der wichtigsten Tage für die Norweger erleben: 17. Mai (auf Norwegisch "söttenne mai" ausgesprochen), der Tag an dem man der Unterzeichnung der Verfassung Norwegens im Jahre 1814 gedenkt.

Am 17. Mai werden überall in der Stadt Norwegische Flaggen gehisst und Fahnen an die Hauswände, die alle eine eigene Fahnenhalterung besitzten, gehangen. Norweger sind einfach sehr stolz auf ihr Land und wollen dies an diesem besonderen Tag feiern und zum Ausdruck bringen.

Es gibt sogar eine "Flaggenregelung" in Norwegen:

- Die Flagge darf nur am Tage gehisst werden
- Von März bis Oktober darf darf sie nicht vor 8 Uhr,
- und von November bis Februar nicht vor 9 Uhr gehisst werden
- Die Flagge wird bei Sonnenuntergang eingeholt, aber nie später als 21 Uhr
- Die Flagge darf nie den Boden berühren
- an einer Stange darf niemals mehr als eine Flagge wehen

- Es gibt sogar Festlegungen, wie die Flagge aus- und eingerollt werden muss


Ausserdem haben die meisten Norweger (in jedem Fall die älteren) fast alle ein Bunad, die Norwegische Nationaltracht, deren Aussehen sich von Ort zu Ort unterscheidet. Wie fast alle anderen Trachten auch ist die Bunad, was übersetzt soviel wie "Kleidung" heißt, nichts anderes als das Alltagsgewand vergangener Zeiten. Trotz den regional unterschiedlichen Bunads besitzen alle Bunads einige übereinstimmende Merkmale: Ein Beutel, Silberschmuck und traditionelle Schuhe und Strümpfe. Ich durfte mir am Samstag Abend die Bunad von Hedda anziehen, samt Silberohrringen und Schuhen, und mich für ein paar Minuten sehr traditionell fühlen, aber am 17. Mai selbst hatte ich einfach Alltagskleidung an, während Hans und Hedda ihre Bunads trugen, und die Kinder Anzüge oder Kleider. Es war früher üblich, dass Jugendliche eine Bunad zu ihrer Konfirmation bekamen, heutzutage zwar auch noch, aber es werden mehr und mehr Jugendliche die sich stattdessen Geld oder sonst was wünschen. Eine Bunad ist sehr teuer zu kaufen (20-30.000 Kronen = 2-3000 Euro) und wird oft auch in Familien vererbt.




Am Abend vom 16. Mai habe ich mit Hedda Kransekake (Kranzkuchen) gebacken, ein Norwegisches Gebäck/Kuchen. Kransekake besteht aus Mandeln, Puderzucker und Eiweiss, was alles verrührt wird und in Ringen gebacken und danach aufeinandergestapelt wird. Und ganz wichtig: man isst Kransekake von unten nach oben!

TADAAA

nachdem dieses Bild gemacht wurde, mussten wir den Kuchen ein bisschen auseinanderbauen, und zumindest die Spitze retten, bevor alles zusammenfällt




Am 17. Mai haben wir um halb 7 gefrühstückt, weil wir um 8 an der Grundschule der beiden älteren Kinder sein mussten. Da gab es dann eine Art Ansprache auf dem geschmückten Schulhof, wo die Schulsprecher und die Schulleiter Reden gehalten haben, eine Marschkapelle gespielt hat und Lieder gesungen wurden. Natürlich auch die Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet (ja wir lieben dieses Land) , von der ich den Text von Hans und Hedda beigebracht bekommen habe, während wir Kransekake gebacken haben ;)

Frisch gebügelten Fähnchen

auf dem Weg zur Schule, die Brücke geschmückt mit Fahnen, die Leute mit Fähnchen und Bunad ;)

oben an der Schule hingen 4 gigantische Fahnen in jede Himmelsrichtung






Danach sind alle Schulkinder, darunter Isak und Berit und Hedda als Begleitperson, nach Klassen geordnet losmarschiert und wir sind in die Stadt gegangen. Auf dem Weg ist man immer wieder an Häusern vorbeigelaufen, an denen Flaggen hingen, die Busse und die Strassenbahn waren mit Fähnchen geschmückt und auch die Leute hatten alle mindestens eine Flagge in der Hand.
Hanna, Bernhard, Hans und Ich haben uns dann ein paar Waffeln gekauft und uns einen Platz gesucht, um den Zug anzuschauen.







Es gibt hier in Trondheim jedes Jahr drei (um)züge: den Skoletoget (Schulzug, bei dem alle trondheimischen Schulen mitlaufen), Folketoget (Volkszug, bei dem alle Vereine mitlaufen können) und Russetoget (der Zug von den sozusagen Abiturienten).

Russetid (Russezeit) ist eine für nicht- Norweger eine ziemlich unbekannte Sache. Vom 1.-17. Mai ist die Zeit zum feiern für alle die, die in dem Jahr (wahrscheinlich) ihren Abschluss machen. Die, die Russ sind, haben zum Grossteil rote Russehosen an (manche auch schwarze, blaue oder grüne), auf denen verschiedene Sachen draufgeschrieben werden. Viele bestellen ihre Russeausrüstung auf einer Internetseite, die extra dafür existiert: man kan Pullis, Jacken, Schuhe, Taschen, Bikinis, Hosen und und und kaufen (für sehr sehr sehr viel Geld) und dazu noch Russekarten bestellen. Das sind Karten, die von Kindern gesammelt werden. Während der Russezeit laufen dann also immer Kinder zu den Russ- Leuten (man erkennt sie an den bunten Hosen und/oder den restlichem Auftreten) und fragen nach Russekarten. Meine Gastgeschwister haben jeder so um die 80 Stück gesammelt. Eigentlich bringen diese Karten garnichts, es steht nichts wichtiges drauf oder so, man sammelt sie halt, und nach dem 17. Mai schmeisst man sie weg :D
Auf jeden Fall bedeutet Russezeit, dass die Abschlussschüler alle so etwa 1 Monat durchfeiern, bevor dann die Abschlussprüfungen anstehen. Das ist ein bisschen Sinnfrei, denn so verschwenden die Schüler ihre Zeit zu lernen mit feiern..
In Süd/Ostnorwegen ist es sehr üblich, Russebusse zu besitzen. Das sind dann zum Teil grosse Reisebusse oder Lieferwagen, die angemalt und umgebaut werden (z.B. riesige Musikboxen und eine Minibar anstatt Autositzen) und mit denen die Russ- Leute dann feiern fahren ;)
Ich habe leider keine Bilder von der Russezeit, aber ich benutze ein paar aus dem Internet:

Einer der grössten Russebusse, die es in Norwegens Geschichte gab ;) für sowas sparen Schüler ihre gesamte Schulzeit über




Russehosen



Nachher haben wir uns dann wieder mit dem Rest der Familie getroffen, und weil die Kinder alle ziemlich fertig waren, sind die alle nach Hause, während ich in der Stadt geblieben bin und auf den Rest der YFU Trøndelag Gruppe gewartet habe.
Wir sind nämlich im Folketoget mitgelaufen, was echt super super lustig war. Unser "Spruch" war "gib mir ein Y" - "Y!", "gib mir ein F" - "F!", gib mir ein U"- "U!", "was wird das?!" - "YFU!", "noch einmal!"- "YFU!", "ein letztes Mal!" - "YFU!" :D

Das gestalten unserer Flagge ein paar Wochen vorher

 

YFU- Trøndelag <3






Den Folketoget könnt ihr euch ungefähr so vorstellen wie den Karnevalszug in Mettmann: viele verschiedene Gruppen mit verschiedenen Aktionen (z.B. Musikgruppen machen Musik, die Bärtevereinigung hat schön gestaltete Bärte, die Fussballgruppen zeigen Fussballtricks..) und die Menge am Rand schreit Hurra.

Nach dem Umzug bin ich noch ein bisschen mit Rike und Johanna durch die Stadt gelaufen, dort haben wir dann Lena, eine andere Deutsche Austauschschülerin getroffen und wir haben Bratwurst gegessen. Dann habe ich mich wieder auf den Weg zur Grundschule gemacht, wo es Aktivitäten für die ganze Familie gab und danach sind wir nach Hause gelaufen. Leider habe ich echt starke Kopfschmerzen bekommen, sodass ich das Ende nicht mehr so wirklich geniessen konnte, aber wir haben zuhause dann noch Kuchen und Eis gegessen und danach habe ich mich hingelegt.

Ich finde es ziemlich süss, wie stolz Norweger auf ihr Land sind, und ich bin froh, dass ich das miterleben konnte!

Bis bald,
Hilsen Sabine



 

 

 

 
 
 
 
 

 
 
 
 
 

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