Sonntag, 18. Januar 2015

Mein norwegisches Weihnachten

Heisann!
Endlich habe ich es jetzt geschafft, den Weihnachten-post zu schreiben, und ich habe echt ziemlich lange dafür gebraucht, weil ich immer mal ab und zu geschrieben habe, und dann das Bilder hochladen immer nicht funktioniert hat.. aber jetzt bin ich endlich fertig geworden ;)

Advent
Weil meine liebe Familie in Deutschland Schokoadventskalender nach Trondheim geschickt hat, musste ich darauf dieses Jahr nicht verzichten, obwohl meine Gastfamilie das eigentlich nicht macht. Die Kinder haben sich total gefreut und ich mich natürlich auch ;)
Am zweiten Advent (glaub ich) waren wir im Nidarosdom bei einem Adventsgottesdienst. Es war eigentlich ziemlich wie in Deutschland, vom Aufbau, zum Teil von den Liedern (dann halt auf norwegisch) und auch Sachen wie das Vater unser, das Glaubensbekenntnis und der Segensspruch (ich schreibe das jetzt nur so detaliert (?) weil ich weiss, dass das meine Familie sehr interessiert). Man trifft, ähnlich wie in Deutschland, nur selten Jugendliche, aber dafür viele Kleinkinder und Familien.
Hier wird auch viel gebacken, allerdings wird das nicht vor Heiligabend gegessen. Das heisst, die Plätzchen werden "gesammelt" und von Heiligabend bis zum neuen Jahr gibt es dann ständig Plätzchen. Es war schon seltsam, das gebackene nicht sofort zu essen, sondern sich das alles in ein paar Tagen zwischen Heiliabend und Silvester (die Zeit heisst hier "Romjul"- RaumWeihnachten) zu essen, aber andere Länder - andere Sitten ;)
Auch Weihnachtsdeko wird erst am kleinen Weihnachtsabend "lille Juleaften" (23. 12) aufgehangen. das heisst, eigentlich war überhaupt keine Weihnachtsstimmung im Haus. Aber wir hatten auch vier Adventskerzen (die hier immer lila sind) auf dem Tisch, allerdings ohne Kranz. Und wir haben zusammen unser Pfefferkuchenhaus gebacken, was auf keinen Fall fehlen darf!





Lille Juleaften (23.Dezember) - kleiner Weihnachtsabend
Am lille Juleaften ist Hans mit dem Fahrrad zum Torg (Markt) gefahren und hat einen Weihnachtsbaum gekauft. Normalerweise geht meine Familie hier ihren Baum im Wald selber schlagen, was hier auch ziemlich üblich ist, aber dieses Jahr war dafür nicht so wirklich Zeit, weil wir ja noch bei Oslo waren. Aber dafür haben wir dann alle zusammen den Baum geschmückt mit jeder Art Krempel die sich gefunden hat und die Kinder haben "alles zuoberst" gehangen. Und Norwegische Flaggen im Baum dürfen eigentlich nicht fehlen.
Der typische norwegische Weihnachtsbaum hat Glitzergirlanden und Norwegenfahnen von oben nach unten, einen Stern an der Spitze und Weihnachtsbaumkugeln und Stohsterne.
Wir hatten zwar alles, aber einfach chaotisch durcheinander. Ich fand den Baum trotzdem wunderschön :)


Ein Stern an der Spitze ist sehr wichtig..

...aber noch wichtiger sind die norwegischen Flaggen.
(Papa, siehst du den kleinen Pferdeanhänger? ;) )


Juleaften (24.Dezember) - Heiligabend
Morgens haben wir einfach "ausgeschlafen" (bedeutet bis halb 9 oder so) und jeder für sich gefrühstückt. Dann haben wir Kinder drei Nüsse für Aschenputtel geschaut, und das war echt witzig, weil der Film als originalsprache tschechisch (vielleicht) hat und die norwegische übersetzerstimme dann von einem Mann war und bei allen Personen die gleiche war und immer total versetzt, sodass ich es ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden habe um was es geht.
Nach dem Film haben wir uns hübsch gemacht, Hedda und Hans hatten ihre Bunads (traditionelle norwegische Kleidung) an und wir Kinder hatten Kleider bzw. Anzug an.
Um halb zwei sind wir dann zur Kirche gelaufen (-15 Grad im Kleid) und als wir ich dann halb erfroren da angekommen sind, durften wir an der langen Warteschlange am Eingang vorbeigehen, weil meine Schwestern die Weihnachtskerzen angezündet haben, weswegen wir dann auch in der ersten reihe sassen, obwohl wir 20 Minuten vor Beginn erst da waren ;)
Der Weihnachtsgottesdienst war total schön, und auch sehr ähnlich zu den deutschen. Und ich habe sogar die Lesung der Weihnachtsgeschichte verstanden!
Nach der Kirche haben wir mindestens 10000 Leute getroffen, gegrüsst und sind dann nach Hause gelaufen (mit Schnee!!)
Zuhause wurden dann die 60 (!!!!!!) Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt und dann gab es schon ziemlich bald Essen:
Pinnekjøtt (Lammrippen) mit einer Art Kohlmuss (?) und Kartoffeln. Ich fand es eigentlich ziemlich lecker, nur war das Fleisch ziemlich "unrein" (Wort?), also viel Arbeit es zu essen :D
Nach dem Essen sind wir dann um den Baum getanzt, und das war so lustig haha :D
Man nimmt sich halt so an den Händen und läuft dann um den Baum, unter dem die Geschenke liegen, und singt Weihnachtslieder. Erst haben wir zwei voll ruhige Lieder gesungen, dann eins mit einem richtigen Tanz von man dann mal klatscht und sich dreht und all sowas und dann das highlight: Wir haben in der Weihnachtsbäckerei angemacht und sind dazu dann um den Baum gelaufen und das war echt cool, dass meine Familie hier das vorgeschlagen hat ;)

Nach dem schnellen Essen (die Kinder waren seehr ungeduldig :D ) gab es dann die Bescherung.
Eins der Kinder hat angefangen ein Geschenk rauszusuchen, dass dann weitergegeben oder halt selber ausgepackt und danach dann den nächsten ausgesucht, der das nächste Geschenk aussuchen darf. Weil wir so viele Geschenke hatten, hat es ziemlich lange gedauert, und es war relativ hektisch und chaotisch, aber trotzdem schön :)
Ich habe auch Geschenke bekommen, sogar von allen Verwandten und der Nachbarin, was ich total toll fand, dass alle so an mich gedacht haben, und dann noch die Pakete aus Deutschland*-*
Bekommen habe ich unter anderem einen Haarföhner (weil wir keinen im Haus hatten), drei Paar Handschuhe, drei Paar Wollsocken, Kerzen, Tee, Bücher, Filme uuuuund: Hedda strickt mit eine Wolljacke mit "Norwegermuster"!
Nach der Bescherung haben wir dann kurz mit meiner deutschen Familie geskypet und dann sind die Kinder ins bett gewandert. Wir haben dann aufgeräumt, sassen noch mit Keksen und Tee im Wohnzimmer und sind dann aber auch recht früh ins Bett gegangen.

Von Heiligabend habe ich leider fast keine Bilder gemacht, nur auf dem Weg von und zur Kirche:





Første Juledagen (25. Dezember) - Erster Weihnachtstag

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob wir gemeinsam gefrühstückt haben, aber auf jeden Fall bin ich dann zusammen mit Hedda in die Kirche, was auch ziemlich ähnlich zu einem deutschen Weihnachtsgottesdienst war. Den restlichen Tag haben wir dann einfach zuhause verbracht, und draussen, und da bin ich das erste mal auf Langrennski gestanden! Es ist sooo cool, dass man einfach aus der Haustür rausgeht, seine Ski anzieht und losfährt! Auf grader Fläche ist Langlaufski fahren garnicht soo schwer, aber wenns dann bergab geht.. Die blöden Skier sind einfach ZU! Andauernd haben die sich überkreuzet, sodass ich dann halt seeehr selten :D hingeflogen bin. Als middag haben wir dann die Reste vom Weihnachtsessen gegessen, und abends habe ich mit dem einen Teil meiner Familie in Deutschland gefreut.


Die Samische und die Norwegische Flagge. Die Samen leben in Nordskandinavien und gehören zwar irgendwie vielleicht schon zu Norwegen, aber haben ihre eigene Sprache und Flagge. Ich bin mir da nicht ganz so sicher :D
 


Über Nacht hatte es nochmal ziemlich viel geschneit- ideale Bedingungen fürs Skifahren


todesmutig


Schneesturm am Nachmittag

Tadaaaa.. mein Zuhause

und einfach mal in der Strasse Ski fahren :D

Andre Juledagen (26. Dezember)- zweiter Weihnachtstag

Auch erstmal lang schlafen, frühstücken und draussen und drinnen spielen, und zum middag kam dann Kari- unsere liebe Nachbarin- mit ihrem Sohn und seiner Freundin, und es gab Ribbe (Schweinerippen), ein anderes traditionelles, norwegisches Weihnachtsessen, und abends habe ich dann mit dem anderen Teil meiner Familie in Deutschland geskypt.

Romjul

Romjul ist (wie oben gesagt) die Zeit zwischen Heiligabend und Neujahr, und da waren wir viel zuhause, draussen undwir haben Besuch bekommen von einer Familie mit zwei Kindern (7,9), die auch über Silvester da war. An einem Tag habe ich eine Tour mit Berit in die Stadtbücherei gemacht, wir haben uns Bücher ausgeliehen, im Büchereicafe dann gegessen und noch ein bisschen da gesessen und gelesen. Ich muss sagen, Berit ist ein unglaublich süsses Mädchen! <3


Nyttårsaften (31. Dezember) - Neujahrsabend

Am 31. morgens bin ich erstmal mit der Familie, die zu Besuch war ins Schwimmbad (Pirbadet) gegangen, und dass war schon ein Erlebnis :D das Pirbadet ist das grösste Indoorschwimmbad in Norwegen, aber trotzdem ziemlich klein für Deutsche Verhältnisse ;) Aaaaber: das Schwimmbad ist direkt am Wasser gebaut, dass heisst, man sieht vom Schwimmbecken aus auf den Fjord, Munkholmen, und die Berge auf der anderen Seite des Fjordes. Im Schwimmbad habe ich die liebe Rike getroffen, die zufällig auch da war, und wir sind dann zusammen ganze 20 Bahnen geschwommen! :D
Nachdem wir dann nach hause gekommen sind haben wir Raclette vorbereitet. Ja, es gab mir zuliebe Raclette und es war soo gut! Das ist hier nicht so weit verbreitet, viele haben davon noch nie gehört, aber trotzdem hat es jedem geschmeckt (hoffe ich zumindest).
Dann kam noch eine Familie mit vier Kindern zu Besuch und Kari, die Nachbarin.
Wir haben dann alle zusammen Raclette gegessen und geredet, und dann um halb 7 sind wir raus gegangen zu einem Spielplatz am Fluss, wo sich einige Familien aus der Nachbarschaft getroffen haben, um dem Kinderfeuerwek oben bei Festningen zuzuschauen. Ausserdem gab es Wunderkerzen, die auf norwegisch Stjerneskudd heissen, was aber auch Sternschnuppen sind.
Wieder zurück im Haus sind die Kinder in den Keller gegangen, um dann da mit einer Leinwand und einem Beamer einen Film zu schauen. Ich habe den Namen leider vergessen, aber ich habe einen Teil mitgeschaut, den ich allerdings total verwirrend fand, und weil ich auch nicht so wirklich verstanden habe, was die sagen (ich war seehr müde) bin ich dann nach einer halben Stunde wieder hoch gegangen. Da haben wir "Erwachsenen" dann gesessen, gegessen und geredet bis der Film vorbei war und dann sind wir alle in den Keller gegangen um die Rede von König Harald anzuschauen. Wirklich. Aber das ist hier auch ziemlich üblich, glaube ich.
Danach war dann das übliche Warten auf Mitternacht und um 10/11 etwa sind die eine Familie und Kari nach Hause gegangen. Um kurz vor 12 sind wir dann vor die Haustür gegangen und haben dann im kleinen Kreis in das neue Jahr gestartet :) Ziemlich schnell sind wir dann auch wieder reingegangen und haben dann da noch ein bisschen zusammen gesessen.
Ich konnte an dem Tag garnicht einschlafen, also lag ich bis 5 wach, was aber auch nicht allzu schlimm war. Jedenfalls habe ich am nächsten Tag ziiiiemlich lang geschlafen, und ratet mal, was es für mich zum Frühstück gab? Berliner Bollen (leider ohne Füllung), extra für mich gekauft, nachdem ich mal erzählt hatte, dass wir die manchmal am 1. Januar essen *__* Ein guter Start von 2015 würde ich da mal sagen!
Aber mir sind noch 2 Sachen aufgefallen was hier anders gemacht wird als in Deutschland:
1. es wird nicht um 0:00 angestossen, sondern nur gratuliert
2. den Tag über gehen schon ab und an mal Raketen hoch, um 6 wird es mehr und mehr und ab ca. 9 gehts schon los mit den ganzen Raketen. Also, um Mitternacht kommen zwar trotzdem nochmal mehr, aber die fangen hier einfach viiiel früher an als wir! Und hören dafür aber auch früher wieder auf :p
sooooo ein gutes Raclette!
                                  
Die Rede es Königs im Heimkino


meine Lieblingsbrücke mit dem Dom, dem Fernsehturm, der Uni und dem Studentersamfunndet im Hintergrund!
 



vorher

nachher.
Das nennt man pepperkakehus knusen, also das Pfefferkuchenhaus wird am 1. Januar zerstört und dann gegessen


Juletrefester - Weihnachtsbaumfeste
Es ist ziemlich üblich, zu sogenannten Weihnachtsbaumfesten zu gehen. Das ist einfach eine Zusammenkommst (?) unterschiedlicher Leute, die dann oft Hotdogs und Kuchen essen, um den Weihnachtsbaum tanzen, Musik anhören und zusammensitzen. Es gibt Weihnachtsbaumfeste von ganz verschiedenen "Veranstaltern". Wir sind insgesamt auf 4 Festen eingeladen:

Das erste war schon vor Neujahr, bei einer befreundeten Familie. Da ist dann der Freundeskreis zusammengekommen und das war ziemlich familiär, wir haben auch so ein Gruppenspiel gespielt, wo wir in zwei Teams eingeteilt waren und gegeneinander Weihnachtslieder- Pantomime gespielt haben, und da gab es Bratwurst! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal vermissen werde, aber immer nur Bockwürstchen sind dann doch schon irgendwann langweilig ;) Aussderdem gabs Salat, Brötchen und jede Menge Plätzchen und Eis und wir sind um den Weihnachtsbaum getanzt.

Das zweite Fest war vom Kindergarten meiner 2 kleinsten Geschwister aus, hat aber in der Cafeteria der Uni stattgefunden. Da gab es auch wieder Hotdogs und Kuchen, wir haben Reise nach Jerusalem gespielt (Stolleke), ein Korps (Marschkapelle?) hat gespielt und wir sind natürlich auch um den Baum getanzt. Während wir dann um den Baum getanzt sind kam der Julenisse, also der Weihnachtsmann. Jedes Kind hat dann eine Tüte mit ein paar Keksen und einer Mandarine bekommen und danach war es auch schon ziemlich schnell wieder zuende.

Das dritte Juletrefest war bei der Arbeit von Hans und speziell für die Angestellten mit Kindern gemacht. Da sind wir auch erstmal wieder um den Baum getanzt, danach haben wir gegessen (hotdogs und jeeeeeede Menge Kuchen und Plätzchen) und dann gab es auch wieder Reise nach Jerusalem für Kinder und Erwachsene. Danach sind wir wieder um den Baum getanzt, ein korps hat gespielt und dann kam auch wieder ein Julenisse mit Fresspaketen für die Kinder. Nach 2 Stunden war das Fest dann wieder zuende, und wir sind wieder nach Hause gelaufen.

Und zu guter Letzt: das Weihnachtsbaumfest im Nidarosdom. Da haben sich jede Menge Familien versammelt und der Mädchenchor hat gesungen und es gab eine Art Krippenspiel-Vorführung.
Dann gab es noch Tee, Kaffe und Obst und wir sind wieder um den Baum getanzt.
Da der Dom sehr gross ist, und draussen -6 grad waren, war es seeeehr kalt in der Kirche, aber das ging schon ;)

Und das wars auch schon mit meinem Weihnachten-post, schön, dass ihr bis hierhin gelesen habt und ich hoffe, dass auch ihr alle schöne Feiertage und einen guten Start von 2015 hattet!


Ich bin auf jeden Fall unglaublich zufrieden mit meinem norwegischen Weihnachten und auch mein Heimweh hat sich wirklich in Grenzen gehalten, womit ich garnicht so gerechnet habe. An Silvester wars ein bisschen mehr, aber das ging schon ;)
Und um den Weihnachtsbaum tanzen müssen wir nächstes Weihnachten auch machen! :p

Und noch eine ganz lustige Sache:
Hier in Norwegen gibt es ein Weihnachtslied, dass die Melodie von "meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" hat, und handelt irgendwie von Milchreis und einem Weihnachtsmann und Mäusen, die den Milchreis haben wollen oder so :D
Hier könnt ihr es euch anhören: https://www.youtube.com/watch?v=_uv74o8hG30

Hilsen,
Sabine

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